Midjourney Kreativität ohne Grenzen oder Risiko für die Markenidentität?

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Wir haben uns intensiv mit dem Hype rund um KI-Bildgeneratoren wie Midjourney beschäftigt. Überall entstehen neue visuelle Welten – schnell produziert, spektakulär und scheinbar grenzenlos kreativ. Doch hinter dieser Faszination stehen Fragen, die für Marken heute wichtiger sind denn je: Wie wirken KI-Bilder auf die Wahrnehmung? Wo liegen Chancen, wo Risiken? Und was bedeutet das alles für eine authentische, konsistente Markenidentität? Genau diesen Punkten sind wir für euch nachgegangen.

In der Branche wird aktuell viel über KI-generierte Bilder diskutiert – allen voran mit Tools wie Midjourney. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Revolution aus: Marken können in Sekundenschnelle visuell eindrucksvolle Bilder erzeugen – ohne aufwändige Fotoshootings, teure Models oder Studiozeit. Doch diese Effizienz kommt mit einem Preis – insbesondere, wenn es um Authentizität, Stimmigkeit und Marken‑Konsistenz geht.

Ein zentraler Wert echter, handgemachter Fotografie liegt in ihrer Unverwechselbarkeit. Wenn ein Fotograf oder eine Fotografin ein Shooting inszeniert – mit Licht, Komposition, echten Menschen – entsteht ein Bild, das nicht nur visuell, sondern auch emotional mit der Marke resoniert. Solche Bilder transportieren eine Geschichte, eine Persönlichkeit, eine Tiefe.

Laut der Marketing-Expertin Amber Tripp können AI-Bilder das Markenimage billig erscheinen lassen, vor allem dann, wenn das Publikum den künstlichen Ursprung erkennt. Sie warnt: In Branchen, wo Vertrauen und Echtheit entscheidend sind – etwa Luxus, Non‑Profit oder Gesundheit – übertrifft reale Fotografie KI-Visuals in Sachen Markenbindung und Glaubwürdigkeit.

Chancen und Grenzen von KI-Bildern für Marken

Darüber hinaus ist Konsistenz ein weiterer wichtiger Aspekt. Wiedererkennbare Bildwelten, die Farbpalette, Stil, Mimik und Komposition definieren – all das wird von Marken über Jahre aufgebaut. In einem stimmigen Markenauftritt sorgt visuelle Konsistenz für Vertrauen. KI-Bilder bergen dagegen ein Risiko: Ihre Ergebnisse können stark variieren, besonders wenn unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Prompts arbeiten. Ohne enge Kontrolle kann dies zu einem „visuellen Flickenteppich“ führen. Das unterstreicht auch ein Beitrag von API4AI: Inkonsistente Bildwelten untergraben Markenstärke und schaffen ein uneinheitliches Gesamtbild.

Ein weiterer Punkt: Das Publikum selbst. Studien zeigen, dass viele Menschen durchaus misstrauisch sind, wenn Marken konsequent auf KI‑Bilder setzen. Laut einer Umfrage von Clutch lehnen 18 % der Befragten Brands ab, die AI-Bilder nutzen, während 82 % dies nur akzeptieren, wenn es klar kommuniziert oder transparent genutzt wird. Transparenz ist also entscheidend – ein AI‑Bild allein ohne Kontext kann die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens untergraben.

Zudem ist zu bedenken, dass KI‑Modelle nicht automatisch „markentreu“ denken. Ein generatives Modell liefert, was der Prompt vorgibt – aber nicht zwingend das, was die Marke als Kernbotschaft hat. Selbst mit strengen Richtlinien kann es schwierig sein, ein unverwechselbares Markenimage zu wahren, besonders über große Kampagnen hinweg. Wenn das nicht gelingt, droht eine Markensprache, die technisch perfekt wirkt, aber nicht prägend ist.

Warum echte Fotografie für langfristige Markenbindung unverzichtbar bleibt

Das heißt nicht, dass KI keine Daseinsberechtigung hat. Ganz im Gegenteil: Für kurzfristige, schnelle Inhalte – besonders auf Social‑Media-Kanälen – ist die KI ein mächtiges Werkzeug. Sie eignet sich hervorragend für Konzeptbilder, abstrakte Visuals, schnelle Prototypen oder kreative Ideen, die man rasch umsetzen will. In solchen Momenten ist der Einsatz von Midjourney nicht nur sinnvoll, sondern strategisch klug.

Doch wenn es darum geht, eine langfristige, authentische und markenprägende Bildwelt aufzubauen, ist die klassische Fotografie nach wie vor unverzichtbar. Ein professioneller Fotograf, der mit der Marke vertraut ist, kann Fotos produzieren, die exakt zur Identität passen: sowohl visuell als auch emotional. Diese Bilder stiften Vertrauen, differenzieren die Marke und schaffen eine kohärente visuelle Identität, die von KI derzeit kaum erreicht werden kann.


Unter ’m Strich

KI‑Bildgeneratoren wie Midjourney spielen eine wertvolle Rolle in der modernen Markenkommunikation – besonders, wenn es um kreative Exploration, Effizienz und schnelle Inhalte geht.

Aber sie sind kein vollwertiger Ersatz für die Seele, Tiefe und Konsistenz, die durch handgemachte Fotografie entsteht. Für eine starke, vertrauenswürdige und differenzierende Markenwelt bleibt echtes Foto‑Handwerk unverzichtbar.

Quellen

  • Tripp, Amber: „Human Reactions to AI‑Generated Imagery vs Real Photography: What Brands Need to Know“
  • API4AI: „Visual Consistency Builds Trust“
  • Clutch.co: „57% of Consumers Can’t Identify AI Photos …“
  • t3n: „KI für die Corporate Identity – so entstehen Bilder, die deine Marke unverwechselbar machen“
  • DigitalPhoto: „Bahnbrechende Fortschritte: KI-Bildgenerierung 2024“

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