Es gibt immer weitrechendere Möglichkeiten, um Produkte und Unternehmen miteinander zu vergleichen . Eigens dafür angelegte Portale oder Plattformen messen schon lange nicht mehr nur den Preis, sondern auch Leistungen und weitere relevante Merkmale. Wie ist es trotzdem möglich, Kunden an das eigene Unternehmen zu binden? Und existiert die altbewährte Kundenbindung in der heutigen Zeit überhaupt noch?
Um diese Fragen zu beantworten, muss zunächst der Unterschied zwischen Kundenbindung und Kundenloyalität definiert werden: Klassische Kundenbindungsstrategien gehen von den jeweiligen Unternehmen aus. Die Kundentreue wird meist an Bedingungen geknüpft. Dabei liegt der Fokus darauf, die Treue der Kunden durch Punkte, Prämien oder Rabatte zu kaufen und durch AGBs oder Wechselbarrieren zu festigen.
Nach diesem Prinzip arbeiten zum Beispiel Mobilfunkanbieter, die neben einer sehr langen Kündigungsfrist auch häufig Wechselbarrieren einbauen, um Kunden an sich zu binden. Wenn ein Kunde die Kündigungsfrist verpasst, wird versucht, diesen mit billigen Tarifen zurückzugewinnen. So wird der Vertrags- und Anbieterwechsel oftmals zu einem wahren Kampf um gute Konditionen. Hindernisse wie das kostenpflichtige Mitnehmen der alten Nummer bleiben nicht aus. Kunden, die derart schlechte Erfahrungen mit einem Anbieter gemacht haben, werden sich womöglich in Zukunft für einen anderen Mitbewerber entscheiden, der bessere Konditionen bietet.
Die Kundenloyalität bildet das gegenteilige Modell. Sie funktioniert mit freiwilliger Kundentreue. Loyale Konsumenten kaufen aus Überzeugung bei Unternehmen und interessieren sich kaum für Mitbewerber. Sie agieren als treue Fans, empfehlen das Unternehmen weiter und sorgen somit für wichtige Neugeschäfte.
| Kundenbindung | Kundenloyalität |
|---|---|
| Punkte, Prämien oder Rabatte, um Kunden zu binden | Freiwillige Kundentreue |
| Fesselnde AGBs und Wechselbarrieren | Kunden bleiben aus Loyalität zum Unternehmen, könnten aber jederzeit wechseln. |
| Negative Erfahrungen, oftmals keine Weiterempfehlung | Kunden agieren als überzeugte Markenbotschafter |
Kundenloyalität basiert nicht auf Punkten, Prämien oder Rabatten, sondern auf einem Gefühl. Es geht um Zusammenhalt, Zugehörigkeit und das Gefühl, „dazuzugehören“. Diese Gefühle lassen sich besonders gut durch Influencer oder Opinion-Leader aktivieren, da sie als Vertrauenspersonen und Meinungsmacher gelten. Wenn diese Personen ein Produkt gutheißen, wird das Konsumverhalten von Tausenden positiv beeinflusst.
Das zeigt eine der erfolgreichsten Influencerinnen Deutschlands: BibisBeautyPalace. Die Youtuberin Bianca Heinicke hat Millionen Follower und ist seit Jahren eine feste Größe im Jugendmarkt. Was sie empfiehlt, hat Gewicht – und wirkt sich direkt auf Kaufentscheidungen aus.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Duschschaum „Bilou“. Bereits kurz nach Markteinführung erzielte das dahinterstehende Unternehmen sehr hohe Umsätze. Der Einfluss der Influencerin auf ihre Zielgruppe spielte eine zentrale Rolle.
Doch nicht nur große Influencer wie Bibi können Unternehmen helfen, ihren Kundenstamm zu erreichen. Sogenannte Micro Influencer mit einigen Tausend Followern wirken häufig authentischer und sind für Unternehmen oft kosteneffizienter. Sie arbeiten eher mit kleineren Honoraren oder Gegenleistungen, etwa Einladungen zu Veranstaltungen oder Produkttests.
Natürlich sind nicht nur die Gefühle der Kunden entscheidend, sondern auch die Selbstdarstellung der Unternehmen. Wenn ein Unternehmen langweilig erscheint und die Produkte austauschbar sind, entscheidet oftmals der Preis. Relevanter werden Aspekte wie Lebensqualität, Hoffnungen und Wünsche. Kunden sind bereit, mehr zu zahlen, wenn sie das Gefühl haben, einen Lifestyle zu kaufen oder einen persönlichen Wunsch zu erfüllen.
Ein Unternehmen muss seine Kunden mit Achtsamkeit, Zuwendung, Verlässlichkeit und Respekt begleiten. Kundenloyalität sollte belohnt werden – etwa durch Feedback-Formate, Beteiligung an Entscheidungen oder besondere Services. (salesforce/heise/bravo/DMA)
Statt Kunden mit Hürden festzuhalten, sollten Unternehmen in Beziehungen investieren, die freiwillige Treue erzeugen. Wer fair, transparent und wertschätzend agiert und echte Mehrwerte bietet, macht aus Kundinnen und Kunden langfristig Fans – und gewinnt damit stabile Umsätze ohne Zwang.